Erasmus – Job Shadowing und Einzelmobilität
Buongiorno a tutti!
Am Sonntag, den 8. Februar, begann für Anna, eine Schülerin der 11. Klasse des Christian von Mannlich Gymnasiums, und mich die Reise nach Italien. In Albano Laziale, der italienischen Partnerstadt Homburgs in der Nähe von Rom, wird Anna im Zuge des Erasmus+-Austauschs zwei Wochen in einer Gastfamilie leben und die italienische Schule besuchen. Als Lehrerin begleite ich sie auf ihrem Hinweg und besuche ebenfalls für zwei Tage im Rahmen eines Job Shadowings den Unterricht.
Der erste Schultag in Albano Laziale startete mit der Erasmusgruppe der Partnerschule Liceo Ugo Foscolo. Einzelne italienische Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte stellten zunächst das italienische Schulsystem im Allgemeinen, das Liceo Ugo Foscolo im Speziellen sowie die Stadt Albano Laziale und die regionale Tradition des Karnevals vor. Diesen Präsentationen schloss sich ein Vortrag Annas an, in welchem sie das Mannlich Gymnasium und die Stadt Homburg präsentierte. Dabei wurden bereits Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem italienischen und deutschen Schulsystem deutlich, die im anschließenden Gespräch weiter vertieft wurden. Als besonders lustig empfanden unsere italienischen Partner*innen das Konzept „00“ im Sinne einer doppelten Null als schlechteste Note.
Im Anschluss gab es eine kleine Schulführung, wo Anna und ich nicht nur einzelne Räumlichkeiten wie den Theaterraum oder die Sporthalle gezeigt bekamen, sondern auch viele herzliche Personen im Schuldienst kennenlernten. Dabei wurde deutlich, dass in Italien nicht nur Lehrkräfte an Schulen, sondern auch weitere Berufsgruppen wie beispielsweise der technische Assistent tätig sind. Der technische Assistent ist für praktische Versuche im Physik- und Chemieunterricht verantwortlich und ergänzt damit den eher theoretisch konzipierten Unterricht der regulären Fachlehrkraft. Der Rundgang sorgte dafür, dass das Eis gebrochen war und die italienischen Schüler*innen Anna und mich mit Fragen zum Mannlich-Gymnasium löcherten. Dabei zeigten sie sich vor allem von den Erzählungen über die vielen Pausen, die man als Oberstufenschüler*in entweder in der Stadt oder in der schuleigenen Cafeteria mit frischem Essen verbringen kann, angetan. An unserer italienischen Partnerschule gibt es nämlich nur zwei Pausen von einmal 15 und einmal 10 Minuten am Schultag, welche die Schüler*innen nur auf dem Schulgelände, auf dem es keine Kantine gibt, verbringen dürfen.
Um jedoch einen wirklichen Einblick in das italienische Schulsystem zu erhalten, galt es für Anna und mich, den Unterricht möglichst verschiedener Unterrichtsfächer zu besuchen. Besonders interessant empfand ich den Mathematikunterricht, der neben klassischen Mathematikübungen auch einen fächerübergreifenden Ansatz enthielt, im Zuge dessen eine Methode aus dem Schauspielunterricht genutzt wurde, um das Memorieren von Formeln einzuüben bzw. abzuprüfen. Auch der Sprachunterricht in italienischer Sprache ermöglichte neue Perspektiven. So werden in Italien beispielsweise schriftliche Prüfungen auch im Tandem durchgeführt, d.h. zwei Schüler*innen können sich während der Prüfung absprechen und dies in ihre einzelnen Aufsätze einfließen lassen. Der Englischunterricht mit Reading Comprehension erinnerte sehr stark an den Englischunterricht unserer Schule, was einen schönen Abschluss des ersten Schultags darstellte.
Der zweite Schultag begann für Anna und mich mit dem Besuch des Geschichtsunterrichts, der nach Angaben der Lehrkraft vor allem die europäische Geschichte in den Blick nimmt. Interessant ist, dass sich auch hier ein fächerübergreifender Ansatz zeigte. Anstatt nur die Rosenkriege in England zu thematisieren, wurde zusätzlich zum regulären Lehrplan ein Stück Shakespeares bearbeitet, das zur gleichen Zeit im Theater- und Englischunterricht auf dem Plan steht. Der Griechischunterricht im Anschluss beschäftigte sich hauptsächlich mit dem antiken Stück der Aeneis. Der Lehrkraft war es dabei sehr wichtig, den regionalen Bezug für die Klasse, aber auch für Anna und mich herzustellen: Albano Laziale ist der Sage nach eine Gründung der Nachfahren des Aeneas, einem Überlebenden des Trojanischen Krieges, und die Mutterstadt Roms, die von den Zwillingen Romulus und Remus aus ‚Alba Longa‘ gegründet worden ist.
Mit Blick auf die bilinguale Ausrichtung der italienischen Partnerschule und des Mannlich Gymnasiums war es natürlich notwendig, ebenfalls den bilingualen Unterricht zu hospitieren. Sowohl das Fach Biologie als auch das Fach Geschichte werden in englischer Sprache von einer Muttersprachlerin unterrichtet. Im Gegensatz zu uns ist der bilinguale Unterricht nicht obligatorisch, sondern eine Art zusätzlicher Kurs, der freiwillig besucht werden kann. Demnach ist die Kursgröße mit 8 bis 12 Lernenden deutlich kleiner als bei uns. Dennoch zeigten sich auch Parallelen zu unserem Englischunterricht und bilingualen Fachunterricht, da das Sprechen in englischer Sprache im Unterricht und in den Prüfungen in der Form von „oral exams“ einen großen Stellenwert einnimmt.
Insgesamt waren diese zwei Tage des Job Shadowings eine große Bereicherung für mich als Lehrkraft, da ich eine neue Perspektive auf das schulische Lernen und Unterrichten erhalten habe. Im Zuge des Aufenthalts wurden bereits weitere Projekte mit der italienischen Partnerschule geplant: Im kommenden Schuljahr soll es ein Kurzzeitprojekt geben, bei dem eine Gruppe aus deutschen und italienischen Lernenden gemeinsam an einem historischen Thema arbeitet. Dabei soll die gemeinsame römische Vergangenheit sowohl in der Saarregion als auch in Albano Laziale in den Blick genommen werden. Auch eine Weiterführung des zweiwöchigen Austauschs einzelner Lernenden wurde besprochen, sodass die Schulgemeinschaft des Mannlich Gymnasiums gespannt sein kann, was die nächsten Jahre bringen werden.
Tanti saluti, Elisabeth Huwer.




PS: Die Schulgemeinschaft darf ebenfalls gespannt auf Annas Perspektive auf den Austausch sein, die in einem weiteren Beitrag folgen wird.