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Kunst und Poesie – oder: Weimar lohnt sich doch!!

Stellt man Schüler*innen eine Reise nach Weimar in Aussicht, muss man darauf gefasst sein, keine Begeisterungsstürme zu ernten. Weimar – das klingt doch zu sehr nach Unterricht, nach Goethe und Schiller, nach Bauhaus und nach Weimarer Republik und deren Scheitern. Doch wie sehr diese „Vorurteile“ täuschen, das erfuhren Schülerinnen und Schüler der Leistungskurse Kunst und Deutsch der Klassenstufe 12. Beide Kurse, kurz vor dem Abitur stehend, nutzten die letzte Gelegenheit für eine gemeinsame und leider nur sehr kurze Klassenfahrt, die sie in Begleitung von Frau Linke und Frau Huwer nach Weimar führte. Mutig trotzte man den Herausforderungen durch Corona und reiste am Donnerstag, den 17. März in Weimar an, um dort, gleich nach der Ankunft einen ersten Eindruck dieser ehemaligen Kulturhauptstadt Europas (1999) auf einem geführten Stadtrundgang zu gewinnen. Vorbei ging es an den ersten Denkmälern, am Nationaltheater, an Museen, am Goethe- und Schillerhaus und an anderen denkwürdigen Plätzen.

Am nächsten Tag stand dann zuerst die Besichtigung des Nationalmuseums Goethe-Haus auf dem Programm, ein absolutes Highlight deutschen Kulturgutes, das Jahr für Jahr Tausende von begeisterten Besuchern anlockt. Gerade das Goethe-Haus mit seinen Räumen und seiner Möblierung vermittelt dem Besucher einen sehr lebendigen Eindruck dieser einmaligen Kulturepoche, die nicht nur Schiller und Goethe zu ihren Protagonisten zählen kann.

Am Nachmittag besichtigte die Gruppe um Frau Linke und Frau Huwer sodann die weltberühmte Herzogin Anna Amalia Bibliothek, die seit 1998 als Teil des Ensembles „Klassisches Weimar“ zum UNESCO-Welterbe gehört. Hier erfuhren die Schüler*innen, dass die Bibliothek 2004 Opfer eines Großbrandes wurde, der Tausende der dort eingelagerten Bücher zerstörte. Der Schaden bezifferte sich damals auf über 67 Millionen Euro. Trotz der großen Schäden, verursacht durch das Feuer und das Löschwasser, baute man die Bibliothek originalgetreu wieder auf – und heute erfreuen sich nicht nur unsere Mannlicher an dem prachtvollen Barockensemble.

Am nächsten Tag, leider schon der Tag der Abreise, stand als Abschluss der gemeinsamen Fahrt ein eher schwieriger Besuch auf dem Programm: die Besichtigung des Konzentrationslagers Buchenwald. Buchenwald liegt nur einige wenige Kilometer oberhalb von Weimar, und einen größeren Gegensatz zwischen der Kultur in Weimar und der Barbarei in unmittelbarer Stadtnähe lässt sich kaum vorstellen. Tatsächlich ist das ehemalige KZ mit mehr als 600.000 Besuchern im Jahr die am häufigsten besichtigte Gedenkstätte Weimars. Entstanden im Jahr 1937 und in unmittelbarer Nachbarschaft zum damaligen Zoo gelegen „beherbergte“ dieses Lager bis zu seiner Befreiung am 11. April 1945 durch US-Truppen mehr als 250.000 Gefangene, von denen geschätzte 56.000 Personen nicht überlebten. Das Gelände, das gleichzeitig Gedenkstätte und Friedhof ist, vermittelt dem Besucher auch heute noch ein Bild der besonderen Grausamkeit des Nazi-Regimes.

Trotz des sehr nachdenklich stimmenden Abschlusses der Klassenfahrt waren die Mannlich-Schüler*innen am Ende völlig überzeugt: Weimar ist in jedem Fall nicht nur einen Besuch wert. Und der einzige Wermutstropfen war, dass dieser Ausflug zum UNESCO-Welterbe „Klassisches Weimar“ die ultimativ letzte Klassenfahrt war und eine Oberstufe abschließt, die dank Corona wohl eher gemischte Gefühle bei den Betroffenen hinterlässt.